Wrack U-550 Deutsches U-Boot

Im Juli 2012 entdenken US-Taucher mittels Sonar ein deutsches U-Boot.

Geschichte des Wracks
Nach knapp 6,5 monatiger Bauzeit auf der Deutsche Werft AG, Hamburg-Finkenwerder lief das deutsche U-Boot U-550 am 12.05.1943 vom Stapel und wurde am 28.07.1943 in Dienst gestellt. Das U-Boot des Typs IX C 40 besaß in seinem Rumpf (76,7 x 6,76 x 4,70 m) 2 Diesel- und 2 Elektromotoren. Die Dieselmotoren leisteten 4400 PS mit einer Höchstgeschwindigkeit von 18,2 Knoten während die Elektromotoren mit 1000 PS nur 7,7 kn erreichen ließen.

Nach der Indienststellung operierte das U-550 als Ausbildungsboot unter Kommandant Klaus Hänert von Stettin aus. Unter dem Kommando von Klaus Hänert wurde das U-550 am 01.02.1944 der 10. U-Flottille in Lorient als Frontboot zugeteilt. Aufgabe war es, im Operationsgebiet Atlantik vor der Küste New Yorks zwischen Long Island und Nantucket Geleitzüge abzufangen.

Hier nun der Versenkungsbericht des Kommandaten Klaus Hänert:

Das Boot steht am 16.04.1944 im Operationsgebiet vor New York an der Küste zwischen Long Island und Nantucket. Nachts über Wasser die Batterien aufgeladen. Dabei der Lichtschein der Stadt New York am Himmel zu sehen. Am Morgen, etwa zwei Stunden nach Hellwerden, Horchpeilung im Westen. Boot geht auf Sehrohrtiefe. An Steuerbord und Backbord kamen zeitweise Zerstörer bis zur Brücke erkennbar in Sicht. Rechts voraus ein Flugzeugträger, dahinter ein Geleitzug in breiter, aber dichter Formation, bestehend aus etwa 12 bis 15 Tankern.

Zunächst Angriffskurs auf den Träger, dann wird jedoch auf das Geleit operiert. Auf Sehrohrtiefe wird unbemerkt die Zerstörersicherung durchstoßen. Die Absicht war, einen FAT 3er-Fächer auf einen der Tanker zu schießen. Doch die eigene Fahrt war zu hoch, deshalb geriet U 550 mitten in das Geleit. Schnell auf einen Tanker voraus, einen Torpedo gelöst. Kaum war der Torpedo aus denn Rohr, meldet der Leitende Ingenieur „Boot lässt sich nicht mehr halten“. „Dann nach unten LI Boot darf nicht herauskommen“, kam sofort mein Befehl. Die Wassertiefe war hier etwa 80 bis 90 Meter. Meine Absicht war, ins tiefere Wasser zu gelangen. Dann nach etwa 30 bis 40 Sekunden erfolgte eine Detonation. Der Torpedo hatte getroffen. Inzwischen bekam das Boot bei etwa 70 Meter Grundberührung. U 550 saß im Schlamm des Meeresbodens fest und wäre nur mit harten Maßnahmen freizubekommen. Zwischenzeitlich überlief das Geleit, das auf Grund festsitzende Boot. Dann wurden suchende Zerstörer im Gruppenhorchgerät wahrgenommen, im Boot wurde alles abgestellt. Oben wurden drei stehende Peilungen festgestellt. Also war das Boot entdeckt. Vorsichtig wurde der Versuch unternommen, das Boot vom Grund zu lösen. Im gleichen Augenblick detonieren gutliegende Wasserbomben über dem Achterschiff. Während der Beseitigung der Schäden erfolgte die zweite Wasserbombenserie. Schwerer Wasser und Treiböleinbruch im Diesel- und Heckraum. Die Schäden waren nicht mehr zu beheben. Sofort gab ich den Befehl zum Anblasen und Aussteigen der Besatzung. Kurz darauf meldet der Leitende Ingenieur: „Boot ist raus!“ Schon beim Öffnen des Turmluks setzt der Beschuss von drei Zerstörern ein, die im Kreis um das Boot liegend, in einer Entfernung von etwa 50 bis 150 Metern lagen, Ich selbst fiel mit Wunden an Kopf, Armen und Beinen, die Turmleiter wieder herunter. Mit meinem rechten Auge konnte ich nichts mehr sehen. Die oberste Sprosse unter dem Turmluk war weggeschossen. Durch den weiteren Beschuss wurde der Turm ein Sieb. Die Seemännische Nr. 1 und der Gefechtsrudergänger waren gefallen. Das Boot sank langsam, doch das Aussteigen aus den Turm war wegen des Beschusses unmöglich. „Unter allen Luken klar zum Aussteigen!“ „Sämtliche Rohre von Hand losmachen“, folgten meine Befehle. Doch nur ein T-5 Zaunkönig-Torpedo verließ Rohr II. Die Torpedorohre V und VI waren ausgefallen. Nach etwa 15 Minuten Beschuss wird das Feuer aus nicht bekannten Gründen eingestellt. Etwa 40 Mann unter der Führung des I. Wachoffiziers stiegen befehlsgemäß aus und schwammen in Richtung auf den nächstliegenden Zerstörer zu. Die Wassertemperatur betrug etwa 5 Grad Celsius. Doch plötzlich drehte der Zerstörer ab, ohne die Männer aufzunehmen. Von diesen Besatzungsangehörigen wurde niemand gerettet. Nach weiteren 10 bis 15 Minuten ließ sich der US-Zerstörer „USS Joyce“ von Backbord vorn kommend, dicht an U 550 vorbeitreiben und nahm den Rest der Besatzung auf. Inzwischen meldet der Leitende Ingenieur, dass das Boot bis auf die beiden Toten im Turm geräumt sei. U 550 sank jetzt schnell. Es wurden keine Entlüftungen bedient. Der Leitende Ingenieur meldete sich von Bord, dann sprang auch ich ins Wasser. Bevor ich vom Zerstörer aufgenommen wurde, war das Boot nach Beobachtung des Leitenden Ingenieurs, der bereits an Bord der „USS Joyce“ war, über den Achtersteven gesunken. Für die versäumte Rettung der meisten Besatzungsmitglieder gab es keine Entschuldigung. Die Erklärung der Amerikaner war, dass der Zerstörerkommandant durchgedreht sei. Er vermutete ein zweites U-Boot, was vermutlich auf unseren eigenen T-5, der nicht traf, zurückzuführen war, denn sie retteten selbst nur 15 Mann von der 45 köpfigen Besatzung, des von uns zuvor versenkten Tankers. An Bord des Zerstörers in zwölf Tagen im Geleit den Atlantik überquert. Die Behandlung an Bord war korrekt.

US-Berichten zu Folge soll das U-550 durch einen Rammstoß des US-Zerstörers „USS Gandy“ versenkt worden sein. Dieses deckte sich jedoch nicht mit dem Versenkungsbericht des Kommandanten der U-550.

Nach 11 Monaten in amerikanischer Kriegsgefangenschaft kehrten die Kammeraden wieder nach Hause zurück.

Tauchen am Wrack
Das Wrack der U-550 wurde ca. 100 km südlich der Insel Nantucket entdeckt.  Da sich die U-550 zwischen 70 und 100 Metern Tiefe befinden muss, ist sie für Tek-Taucher erreichbar. Ob sie allerdings zum Tauchen freigegeben wird, wird die amerikanische Regierung entscheiden müssen.

Empfehlung: Trimix

Quellen und Links über das Wrack

Wracktyp: U-Boot IX C 40 Baujahr: 1943
min. Tauchtiefe: 75 m Verlust-Datum: 16.04.1944
max. Tauchtiefe: 75 m Verlust-Grund: Artillerie nach Wasserbomben
GPS-Daten: 40.09′ N Standort-Land: USA
69.44′ W Standort-Region: Insel Nantucket, 100km süd
Tauchplatz: Persönlich betaucht? Nein