Wrack der Zenobia, Zypern

Vor der Küste von Zypern ca. 1400 m entfernt von Larnaca liegt das Wrack der Zenobia. Diese RoRo-Fähre ist das größte betauchbare Wrack im Mittelmeer und allein schon eine Reise wert.

Geschichte des Wracks
Die ZENOBIA war das Flaggschiff der „Challenger“-Klasse von 3 RoRo-Fähren (RollOn-RollOff-Fähren) und wurde Ende 1979 von Kockums in Malmö an den Eigner, die Reederei AB Nordö ausgeliefert. Das Schiff (172 m lang und 23 m breit) begann ihren Dienst mit Ihrer Jungfernfahrt am 04. Mai 1980 von Malmö (Schweden) um auf der Griechenland-Syrien Expresslinie (Greece Syria Express Line), die ursprünglich von Volos (Griechenland) nach Tartous (Syrien) ging,  den Fährverkehr aufzunehmen, wo sie zusammen mit den Fähren „Falster“ und „Skandinavia“ fahren würde. Die „Falster“ und „Skandinavia“, beides ehemalige Skandinavienfähren auf der Route Puttgarden-Rödby (Dänemark) wurden später durch die Schwesterschiffe der Zenobia ersetzt. Im Januar 1980 änderte sich die Route der Schiffe, da diese um Koper (heutiges Slowenien) erweitert wurde. Am 22. Mai 1980 passierte die Zenobia Gibralta und fuhr ins Mittelmeer ein.

Als es zum Untergang der „Zenobia“ kam, war Sie kurz vor der Beendigung ihrer Überfahrt von Koper über Volos nach Syrien auf Höhe des Hafens von Larnaca/Zypern. Es gibt mindestens 2 Theorien über die Gründe, die zum Untergang der Zenobia führten.

Theorie 1:
der UntergangAm frühen Morgen des 02. Juni 1980 nahm man auf der Fähre eine massive Neigung des Schiffes um mehr als 40 Grad wahr. Diese musste mit einem computergesteuerten Fehler im Ballastsystem zusammenhängen. In den folgen 5 Tagen versuchte man alles, um die Fähre von dem Untergang zu retten. Einem herbeigerufenen Serviceteam gelang es zwischenzeitlich, die Neigung des Schiffes auf ca. 2 Grad zu reduzieren. Doch nach einer erneuten, unerklärlichen Neigung der Fähre um wieder über 40 Grad verrutschte die Ladung bestehend aus 104 LKW und das Schiff war nicht mehr zu retten. 1400 Meter vor der Hafeneinfahrt von Larnaca versank die Fähre mit Ihrer Ladung um ca. 2 Uhr morgens am 07. Juni 1980.
Wie funktioniert so ein Ballastsystem: In der Regel werden solche Fähren nicht gleichmäßig beladen. Und um dieses auszugleichen, sind die Fähren mit Balasttanks versehen, in die bei Bedarf Wasser gepumpt wird. Das geschieht automatisch durch einen Computer an Bord, der das Schiff wieder ins Gleichgewicht bringen soll. Je nach Neigung des Schiffes sorgt der Computer dabei für eine schnelle oder langsame Befüllung des Ballasttanks auf der leichteren Seite. Böse Zungen behaupten sogar, der Computer wäre falsch angeschlossen gewesen.

Theorie 2:
Eine Quelle, die ich nicht näher nennen möchte, aber authentisch zu sein scheint, erzählt als Passagier der Fähre während der Katastrophe eine andere Geschichte:
Das Schiff kam von Volos in Griechenland. Ein Halt in Zypern war nicht geplant. Da Sommerwetter mit ruhiger See herrschte war kein, oder nur wenig Ballastwasser geladen worden. Durch seemännische Inkompetenz wurde von autogyro auf manual umgeschaltet. Das Schiff wurde in einem scharfen Manöver von der Küste weggesteuert. Aufgrund des hohen Schwerpunkts “listed the ship portside” das heißt kenterte.  Was die Seemannschaft dazu verleitete, vom Autopiloten des Schiffes auf manuelle Steuerung zu wechseln, ist nicht bekannt. Allerdings ist es gut vorstellbar, dass jemand im Steuerstand seinen fatalen Fehler korrigieren wollte und damit das Schiff dem Untergang weihte. Damit wäre die Geschichte der falsch angeschlossenen Computer für die Ballasttanks nur ein schöne Geschichte.

Tauchen am Wrack
Heute jedoch ist die Zenobia eine taucherische Attraktion und Herausforderung. Im Hafen von Larnaca gehen die Taucher an Bord von gecharterten Tauchbooten. Der Transfer zum Wrack dauert nur wenige Minuten. Die Zenobia liegt auf ihrer Backbordseite auf einer Sandbank in 43 Metern Tiefe. Die steuerbordseitige Bordwand bildet somit ein stählernes Plateau auf 18 Metern. Das macht das Wrack auch für Anfänger erlebbar.

Abgetaucht wird in der Regel an einem der dicken Seile, die an der Reling der Zenobia befestigt wurden und an denen die Tauchboote in der Regel festmachen. Schon von der Oberfläche aus fällt der Blick auf das Wrack in der Tiefe. Schon alleine dieser Anblick ist es wert. Nach einer kurzen Abtauchzeit erreicht man die steuerbordseitige Bordwand in 18 Meter Tiefe. Hier sammeln sich die Taucher, die in Gruppen unterwegs sind oder mit ihrem Tauchguide als Anfänger zum ersten Mal ein Wrack betauchen. Auf der fast waagerechten Oberfläche kommt sich der Taucher klein vor in Anbetracht der Stahlplatten, gegen die vor dem Untergang noch die Wellen schlugen. Hier ist der Ausgangspunkt für alle Tauchgänge mit unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden.

Taucher mit wenig Erfahrung erleben die Zenobia, in dem sie sie umrunden. Am Heck ragt eine der beiden Schiffsschrauben nach oben und zeigt dem Taucher abermals, wie klein er eigentlich ist. Jede dieser Schraubenblätter ist mannshoch. Frei schwebend taucht man an der Heckklappe entlang und erreicht das offene, obere Ladedeck im hinteren Teil Schiffes. Da das Ladedeck nun senkrecht steht, entdeckt man hängend einen LKW. Dieser war beim Auslaufen anscheinend mit Stahlketten verzurrt wurden. Immer an der oberen Reling entlang betaucht man so das gesamte Wrack in 18 – 23 Meter Tiefe bis zum Bug, um hier wieder Richtung Heck über die Bordwand zu tauchen und einen Blick durch die zahlreichen Fenster/Bullaugen zu werfen. So erreicht man wieder das Seil, daß einen an die Oberfläche bringt.

Erfahrenere Taucher haben die Möglichkeit, einen der Passagiergänge zu betauchen. Der Zugang befindet sich auf 23 Meter über dem oberen Ladedeck. Das Spiel der Lichtkegel die durch die noch intakten Fenster scheinen ist ein besonderer Anblick. So taucht man von Lichtkegel zu Lichtkegel immer weiter Richtung Bug. Zuweilen ist der Weg durch Trümmer versperrt, die durch einen kleinen Umweg nach unten umtaucht werden können. Es ist ergreifend durch ein Schiff dieser Größe zu tauchen. Über einem befindet sich die Bordwand und trennt einen von der Oberfläche, unter einem liegen die Kabinen und Räume einer Fähre, deren Gänge jetzt wie ein Labyrinth anmuten. Der Ausgang befindet sich als Schot unterhalb der ehemaligen Brücke auf gleicher Tiefe. Der Blick nach unten zeigt einem die Ausmasse, denn in 43 Metern Tiefe liegt auch die Brücke der ehemals stolzen Fähre im Sand.

Für sehr erfahrene Taucher und nur mit einem sehr erfahrenen Guide kann man sich in das untere Ladedeck wagen zu dem es nur 2 Zugänge gibt. Einer der Zugänge befindet sich im überdachten Teil des oberen Ladedecks in Form eines Schots von ca 75 x 75 cm. Taucht man in das obere Ladedeck unter die ehemaligen Aufbauten des Schiffes so findet man an der oberen Kante der nun senkrechten Fahrbahn eine offene Lucke. Hinter ihr befindet sich ein Käfig aus Stahlrohren, denn früher führte hier die Leiter vom unteren ins obere Ladedeck an der Bordwand direkt nach oben. Durch diesen Gitterkäfig muss man also, und kann überall hängen bleiben. Platz für Platzangst gibt es hier genug. Hat man diese Hürde aber erst einmal genommen, erwartet einen ein grandioser Raum: das untere Ladedeck. In voller Länge und Breite des Schiffes waren hier LKWs geladen. Diese liegen oder hängen hier nun und tauchen nach und nach gespenstisch aus dem stockdunkelen Nichts auf. Hier gibt es nur den Lichtstrahl der eigenen Tauchlampe … sonst keine Lichtquelle. An LKWs und Ladung vorbei taucht man Richtung Bug oder Heck. In einer Ecke im Bug schwebt seit dem Untergang ein Flanellhemd wie an Fäden, doch es sind keine da. Denn es gibt hier weder Strömung noch Licht. Abgesehen von dem eigenen Atem hört man hier nur das Hämmern der Luftblasen, wenn sie von unten an die Bordwand schlagen. Hier ist es besonders ratsam auf die Luft zu achten. Denn selbst erfahrenste Taucher brauchen hier mehr. Weiter im Heck (ca. 2/3 der gesamten Länge des Schiffs) befindet sich der zweite Ausgang. Nicht ganz so anspruchsvoll wie der erste aber dafür etwas verwinkelter.

Wieder draußen und an der Reling wo das Seil nach oben vertäut ist, verlassen wir mit einem Blick zurück die Zenobia. Ein Wrack, das auch nach 10 Tauchgängen noch immer geheimnisvoll ist.

Es gehört zu den Top 10 der betauchbaren Wracks der Welt. Auch wenn man es gut mit Pressluft erreichen kann, empfiehlt sich hier Nitrox für eine längere Grundzeit. Es sei denn, man legt es auf Deko-Tauchgänge an. Aber wer will das schon.

Aktuelle Berichte:

Wracktyp: RoRo-Fracht-Fähre Baujahr: 1979
min. Tauchtiefe: 18 m Verlust-Datum: 07.06.1980 2:30h
max. Tauchtiefe: 43 m Verlust-Grund: gekentert
GPS-Daten: 34,53.5 N Standort-Land: Zypern
33,39.1 E Standort-Region: Larnaca
Tauchplatz: Hafeneinfahrt Larnaca (1.500 Meter vom Ufer) Persönlich betaucht? ja

 

Zenobia 2014

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Weitere Bilder (thanks to www.likosworld.net):

Zenobia Gallery 1 Zenobia Gangway

Zenobia Gallery 2 Zenobia Diver

Zenobia Gallery 3 Zenobia Leben

Zenobia Gallery 4 Zenobia Kantine


Video of diving Zenobia by Liko