Trockentauchen Neopren oder Trilaminat

Jedes Jahr zur Winterzeit, wenn die Tage kürzer, die Nächte länger und die Seen kälter werden, fragt sich so mancher Taucher, ob nicht ein Trocki unter den Weihnachtsbaum gehört.
Als ich mit dem Tauchen anfing, oder besser gesagt in Deutschland anfing auch zu tauchen, kam ich noch super mit meinen 7mm aus. Na ja fast super … im Wasser ging die Temperatur ja noch … aber aus dem nassen Ding sich raus zu quälen und ein zweites und drittes Mal wieder rein ging gar nicht! Also machte ich einen SSI Trocki-Kurs und die Anschaffung eines Mobbys Twinshell Pro Trilaminat.
Mittlerweile habe ich zwei Trockentauchanzüge: einen Neopren (Poseidon Technica Jetsuit) und einen Trilaminat. Daher kann ich auch beide bewerten.
Der Trilaminat ist eigentlich nur eine wasserdichte Tüte mit Stiefeln dran. Die Außenhaut ist eine einzelne zweite Komponente und bei mir aus dem gleichen Material wie meine Motorradjacke (Cordura). Diese schützt die „Tüte“ vor Beschädigungen aller Art. Der Vorteil eines Trilaminat ggü. eines Neopren-Trockies ist die Bewegungsfreiheit. Der Nachteil ist, das an dem Ding nichts wärmt. Um es also in einem Trilaminat warm zu haben, braucht man einen warmen Unterzieher. Und zwar das ganze Jahr. Im Winter hat man dann fast sowas wie einen Schneeanzug drunter, im Sommer eher einen warmen Jogginganzug.
Der Neopren wiederum entspricht in Dicke und Bewegungsfreiheit einem halbtrockenen Neoprenanzug. Einzig der Reißverschluss, die Manschetten und die Stiefel sind wasserdicht. Hier kann man an wärmeren Tagen auch mal im T-Shirt und Badehose einsteigen, da das Neopren ja wärmt. Das Neopren gibt es in unterschiedlichen Dicken. Am meisten verbreitet sind alles zwischen 5 und 7 mm.
Mittlerweile werden auch schon Hybridanzüge verkauft, die unten rum Neopren und oben Trilaminat sind. Ein Neopren muss einfach, wie ein halbtrockener auch, perfekt passen um gut zu funktionieren. Die reinen Trilaminat brauchen das nicht. Da reicht es, wenn sie so ungefähr passen und gut zu gehen.
Nun zur Sache mit den Handschuhen: Also von Haus aus werden alle 3 Anzugarten ohne Handschuhsystem ausgeliefert. Sie verfügen an den Armen über Latexmanschetten, die das ganze dicht gestalten. Vielen Taucher reichen dann dicke „nasse“ Neoprenhandschuhe. Die, denen das nicht reicht, brauchen ein Handschuhsystem, mit dem man die Verbindung von Handschuh und Anzug absolut dicht bekommt. Die Hände sollen ja schließlich trocken bleiben und die Ärmel nicht volllaufen. Einige funktionieren dabei, wie ein Barionettverschluss. Ich habe schon einige der kaufbaren Konstruktionen ausprobiert, u.a. das System von Si-Tech und bin schließlich bei Stief hängen geblieben. Auf dieses Handschuhsystem schwöre ich. Das Stief-Handschuhsystem ist leicht zu montieren und absolut dicht. Ich trage unter den Gummihandschuhen die Mares Trilastic 2-3 Handschuhe aus Neopren. Das Konzept gibt mir viel Gefühl und Wärme auch unter Wasser. Der große Vorteil des Stief-Handschuhsystems ist die Möglichkeit, diese Handschuhe kinderleicht selbst anzuziehen.
Was für die Hände gilt, gilt im übrigen auch für die Schuhe. Hier gibt es auch zwei Versionen: Die Anzüge mit fest montierten Boots und die mit einer Neoprensocke. Für die braucht man dann s.g. Rockboots.
Nachdem nun alles von der Brust abwärts dicht ist, bleibt nun noch der Hals. Es gibt Anzüge mit einer Neoprenmanschette und die meisten mit einer Latexmanschette. Die ist in der Regel eng, denn hier hast Du in der aufrechten Haltung den meisten Luftdruck drauf. Ist die Manschette zu weit (wie bei meinem Neopren zu Anfang), richtest Du Dich auf und es blubbert eine Luftblase am Hals raus und Wasser läuft nach. Also sollte die Latexmanschette eher zu eng als zu weit sein. Die ersten paar Minuten ist die Enge zwar noch unangenehm. Aber wenn das Latex warm wird, wird es auch weicher und man kann es gut aushalten.
Einige Trockies haben angesetzte Kopfhauben, andere wieder nicht. Die die das nicht haben, müssen auf den Sitz der Mütze achten, damit der Nacken nicht kalt wird (nass wird es eh), die anderen müssen sich beim Anziehen etwas mehr quälen. Das ist Geschmacksache.
Generell solltest man keine Billigmarke kaufen. Das bereut man beim Trocki immer nach kurzer Zeit. Meinen Trilaminat habe ich jetzt seit 8 Jahren und ich werde diesen Winter nur mal die Latexmanschetten an Hals und Armen tauschen lassen. Diese werden mit der Zeit spröde und dann können diese auch reißen. Ansonsten ist der Anzug wie neu. Die Dinger halten ewig, wenn man mit denen gut umgeht.
Dringend empfehlen kann und muss ich ein Sonderbrevet „Trockentauchen“.
Dieses ist keine Geldschneiderei, sondern die Möglichkeit, das Tauchen mit einem Trocki richtig zu erlernen. Neben dem Umgang und der Pflege eines Trockis erlernt der Taucher auch die Tarierung erneut, denn man verfügt nun über einen weiteren, sich mit Luft füllenden Auftriebskörper. Und mit dem ist nicht zu spaßen. Daher erlernt man auch die notwendigen Manöver, sollte man in eine Notlage geraten. Stellt Euch nur mal vor, Ihr geratet in eine Kopfüber-Tauchlage und bekommt die Luft nicht mehr aus dem Trocki während Ihr aus 30 Metern unkontrolliert aufsteigt. Dann wäre gut zu wissen, was zu tun ist.
So schlimm, wie es sich jetzt anhört, ist es aber nicht. Lasst es Euch einfach von Eurem Tauchlehrer zeigen.
Und wenn Ihr nun noch Fragen oder Anmerkungen habt, schreibt mir einfach 😉