TauchRevierGasometer Duisburg

Von der Faszination mitten im Ruhrgebiet in einen Topf aus Stahl zu steigen und dort das Tauchen zu erleben.

Mitten in Ruhrgebiet, genauer gesagt im Landschaftspark Nord in Duisburg steht ein Zylinder aus Stahl. Gefüllt ist er mit reinem Trinkwasser. Die Wassersäule hat eine Höhe von 13,5 Meter und einen Durchmesser von ca. 40 Metern. Also mächtig viel Wasser. Und damit man auch etwas zum Erleben hat, haben die Betreiber dort ein Boot, zwei Autos, ein Flugzeug, einige Rohre und ein künstliches Riff versenkt. Es ist ist also ein Aquarium ohne Fenster … und damit ein tolles Ziel für Taucher oder jeden, der es versuchen will.

Es ist ein beliebiger Sonntag. Und mitten unter all den Ausflüglern, die einfach nur im Landschaftspark Nord (einem alten stillgelegten Industriegelände) spazieren gehen wollen, oder Messen und kulturelle Events besuchen tauchen sie auf … Taucher.

Sie kommen von dem Parkplatz vor dem Landschaftspark, wo die neuen Betreiber des TauchRevierGasometers ihre Tauchbasis aufgeschlagen haben. Hier bekommt der Taucher alles, was er braucht. Flaschen, Blei oder komplette Ausrüstung kann man hier leihen, einiges auch kaufen, und ausgebildet werden kann man hier auch. Hier ziehen sie sich also um, die Taucher, bereiten Ihre Ausrüstung vor und laden sie auf bereitstehende Handwagen. Dann beginnt die etwas skuril anmutende Wanderung der etwas anderen Gummi-Fetischisten.

Nur ca. 2-3 Gehminuten entfernt steht es nun, das alte Gasometer. Ein grün gestrichener Stahlzylinder mit einer einer freischwebenden Treppe an seiner Aussenseite. Die Taucher nehmen die Treppe nach oben, die Ausrüstung wird mit einem Korb elektrisch nach oben gezogen. Und dann geht es los, daß etwas andere Taucherlebnis.

Zuerst ein Schock: es ist dunkel. Der Stahlzylinder hat oben ein Dach, ebenfalls aus Stahl und das läßt keine Sonne herein. Auf einer Gitterplattform ca einem Meter über der Wasseroberfläche stehend beginnt so mancher Taucher mit einem nun mulmigen Gefühl sein Ausrüstung anzulegen. Für jene, die zum ersten Mal im Gasometer sind, gibt es natürlich eine kompetente Einweisung. Doch viele Taucher kennen halt nur die warme Südsee. Da ist ein Nachttauchgang am helligten Tag in einem Stahlzylinder mitten im Pott schon etwas anderes.

Eine Gittertreppe führt auf eine weitere Plattform, die bereits einen Meter unter Wasser steht. Hier zieht man sich nur noch die Flossen an, macht den Buddycheck mit seinem Partner, prüft den Sitz der Maske und lässt sich dann ins Wasser gleiten. Der erste Blick bringt dann Erlösung: es ist doch nicht stockfinster. Die Betreiber haben die Sehenswürdigkeiten mit Stahlern ausgeleuchtet. Auch ohne Lampe könnte man hier tauchen.

Mittlerweile haben die, die an der Tauchbasis die anderen mit ihren verbalen Heldentaten belästigten die Hose gestrichen voll und sind ganz leise geworden. Wir tauchen ab und schweben schwerlos langsam Richtung Boden. Unser Blick fällt dabei auf das Wrack des Bootes, das nun immer näher kommt. Einige Taucher, meist die mit wenig Nachttaucherfahrung, schlagen in der ersten Aufregung auf 12,5 Meter Tiefe im Kiesboden ein. Nachdem sie sich gesammelt und beruhigt haben, können auch diese dann auf die Besichtigungstour gehen.

Das Wrack eines ehemaligen Ausflugsbootes wird umrundet und betaucht, Autos und Cessna besichtigt und die vielen anderen Kleinigkeiten angeschaut, die die Betreiber mit viel Liebe zum Detail hier vorbereitet haben. Besondere Highlights, auch für die, die nicht zum ersten Mal hier sind: es gibt ein Röhrensystem mit einem Durchmesser von ca. 120 cm das sich verzweigt. Keine Angst, es gibt immer einen Ausgang, aber es ist noch einmal dunkler, und das Gefühl, nicht nach oben zu kommen sorgt für Beklemmungen. So mancher Verbal-Höhlentaucher hat hier seinen Realismus schon wiedergefunden. Das zweite Highlight ist das künstliche Riff, in das eine Taucherglocke eingearbeitet wurde. einige Taucher unterhalten sich hier (immerhin auf 11 Metern Tiefe) oder rauchen ( Frechheit).

Wenn man sich viel Zeit lässt, schafft man eine Rundtour in 15 Minuten. Vertauchen kann man sich kaum, denn so ein Zylinder ist ja bekanntlich rund. Nach ca 40-45 Minuten tauchen meist auch die wieder auf, deren Luft noch nicht am Ende ist. Manchen ist nach dieser Zeit auch kalt.

Das Austauchen ist genauso einfach, wie das Eintauchen, denn die Plattform unter Wasser und die Treppe erleichter den Ausstieg.

Mit stolz geschwellter Brust antworten nun auch jene, die eben noch mit Angst eintauchten den unzähligen Touristen bereitwillig die Fragen rund ums Tauchen. Meist lässt man nach dem ersten Tauchgang die Ausrüstung, bis auf die Flasche oben und geht nur mit der Flasche zurück, um diese wieder auffüllen zu lassen. Kaffee und ein wenig Taucherlatein an der Basis lassen die Oberflächenpause vergehen wie im Flug und die meisten wollen dann wieder in den Topf.

Warum man immer wieder dort tauchen geht ?
Nun, zum Tauchen braucht man Erfahrung und Routine. Und die kann man durch regelmäßiges Tauchen erlangen. Wie kommt man schon sonst an einen Nachttauchgang am Tag auf 12,5 Metern Tiefe mitten im Ruhrgebiet … und das das ganze Jahr ?